Kriminalität in Schleswig-Holstein sinkt deutlich – Messerangriffe und häusliche Gewalt bleiben große Sorgen

 |  von Thomsen / Foerde.news

Ebenfalls gesunken ist die Rauschgiftkriminalität. Sie ging um fast ein Drittel auf 5.069 Fälle zurück - Symbolfoto: Thomsen

Schleswig-Holstein – Schleswig-Holstein ist im Jahr 2025 sicherer geworden – zumindest gemessen an der Zahl der polizeilich registrierten Straftaten. Nach der jetzt vorgelegten Polizeilichen Kriminalstatistik wurden landesweit 178.923 Straftaten erfasst. Das waren 34.494 Fälle weniger als im Vorjahr und entspricht einem Rückgang um 16,2 Prozent. Selbst bereinigt um ein großes Umfangverfahren aus dem Jahr 2024 mit tausenden Fällen von Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen bleibt die Entwicklung deutlich positiv: Dann liegt das Minus immer noch bei 15.899 Fällen beziehungsweise 8,2 Prozent.

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Auch die sogenannte Häufigkeitszahl, also die Zahl der Straftaten pro 100.000 Einwohner, ist in Schleswig-Holstein deutlich gesunken. Sie liegt nun bei 6.046. Damit bleibt das Land zwar im Vergleich der Flächenländer weiterhin nicht in der Spitzengruppe der sichersten Länder, bewegt sich aber unter dem Strich auf einem besseren Niveau als im Vorjahr. Die Aufklärungsquote sank zwar von dem außergewöhnlich hohen Vorjahreswert auf 56,7 Prozent, im Langzeitvergleich bleibt das aber ein solides Ergebnis. Ohne den Sondereffekt des großen Betrugsverfahrens aus 2024 wäre die Quote gegenüber dem Vorjahr nahezu stabil geblieben.

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Ein Rückgang zeigte sich auch bei den Tatverdächtigen. Insgesamt registrierte die Polizei 69.614 Tatverdächtige, das waren 8,7 Prozent weniger als 2024. Rechnet man die ausländerrechtlichen Verstöße heraus, wurden 66.363 Tatverdächtige ermittelt. Davon waren 45.457 Deutsche und 19.906 Nichtdeutsche. Der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger stieg in dieser bereinigten Betrachtung leicht an, obwohl die absolute Zahl ebenfalls etwas zurückging. Die Statistik verweist zugleich darauf, dass die Belastung in allen Altersgruppen gesunken ist. Besonders bei Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden war die Tatverdächtigenbelastung rückläufig.

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Deutlich rückläufig war in Schleswig-Holstein 2025 die Gewaltkriminalität. Sie sank um 383 Fälle auf 6.329 Straftaten. Die Aufklärungsquote lag in diesem Deliktsbereich bei 80,8 Prozent. Auch bei den Rohheitsdelikten, zu denen unter anderem Körperverletzung, Bedrohung, Nötigung und Freiheitsberaubung zählen, gab es ein Minus. Hier registrierte die Polizei 33.402 Taten, 570 weniger als ein Jahr zuvor. Vor allem die Zahl der Körperverletzungen ging zurück. Die gefährliche und schwere Körperverletzung sank auf 4.589 Fälle, die vorsätzliche einfache Körperverletzung auf 14.765 Fälle. Zugleich stiegen Straftaten gegen die persönliche Freiheit leicht an. Bedrohung, Nachstellung, Nötigung und Freiheitsberaubung blieben damit weiterhin ein großes Feld polizeilicher Arbeit in Schleswig-Holstein.

Bei den Sexualdelikten verzeichnete das Land ebenfalls einen Rückgang. Die Polizei registrierte 3.339 Fälle, nach 3.523 im Vorjahr. Vergewaltigung, sexuelle Nötigung und sexuelle Übergriffe blieben mit 452 Fällen nahezu auf Vorjahresniveau. Gestiegen ist dagegen der sexuelle Missbrauch von Jugendlichen, während sexuelle Belästigung und die Verbreitung pornographischer Inhalte zurückgingen. Beim sexuellen Missbrauch von Kindern wurde mit 482 Fällen ein leichter Anstieg registriert. Die Statistik macht damit deutlich, dass auch in diesem Bereich trotz insgesamt sinkender Fallzahlen weiterhin erheblicher Ermittlungsdruck besteht.

Besondere Sorge bereitet in Schleswig-Holstein die Entwicklung bei Messerangriffen. Hier setzte sich der Anstieg auch 2025 fort. Die Polizei zählte 1.282 Fälle, 95 mehr als im Vorjahr. Seit 2021 ist damit ein klarer Aufwärtstrend zu erkennen. Insgesamt wurden 1.605 Menschen Opfer eines Messerangriffs. 309 wurden leicht verletzt, 77 schwer, elf Menschen kamen ums Leben. Ermittelt wurden 1.153 beteiligte Tatverdächtige. Erstmals weist die Statistik zudem gesondert sogenannte Messerangreifer aus, also Personen, die bei der Tat tatsächlich mit einem Messer drohten oder es einsetzten. Deren Zahl lag bei 1.010. Mehr als vier Fünftel waren männlich, fast 59 Prozent hatten die deutsche Staatsangehörigkeit. Besonders auffällig ist, dass die meisten dieser Taten im öffentlichen Raum stattfinden und damit das Sicherheitsgefühl der Menschen in Schleswig-Holstein unmittelbar berühren.

Auch die häusliche Gewalt bleibt im Land ein drängendes Problem. Die Statistik fasst hier Partnerschaftsgewalt und familiäre Gewalt zusammen. Im Jahr 2025 wurden in Schleswig-Holstein insgesamt 9.708 Opfer häuslicher Gewalt registriert, 348 mehr als im Vorjahr. Der größere Teil entfiel auf Partnerschaftsgewalt mit 6.373 Opfern, hinzu kamen 3.335 Opfer familiärer Gewalt. In beiden Bereichen dominierten Körperverletzungsdelikte sowie Bedrohung, Nachstellung und Nötigung. Fünf Menschen wurden im Bereich der Partnerschaftsgewalt getötet, drei im Bereich der familiären Gewalt. Besonders gravierend ist, dass häusliche Gewalt längst kein Randphänomen mehr darstellt, sondern für Polizei, Justiz und Hilfesysteme in Schleswig-Holstein dauerhaft zu den zentralen Herausforderungen gehört.

Rückläufig war dagegen die Gewalt gegen Polizeibeamte. 2025 wurden 1.636 Straftaten in diesem Bereich registriert, 116 weniger als im Vorjahr. Betroffen waren 3.792 Polizeibeamte, 491 von ihnen wurden verletzt. Auch Gewalt gegen Feuerwehr und Rettungskräfte ging zurück. Hier erfasste die Statistik 79 Straftaten nach 102 im Jahr 2024. Dennoch bleibt das Problem aus Sicht der Sicherheitsbehörden erheblich, weil hinter jeder Fallzahl unmittelbare Angriffe auf Menschen stehen, die für Schutz, Rettung und öffentliche Ordnung sorgen.

Ein weiteres wichtiges Feld bleibt die Straßenkriminalität. Sie sank in Schleswig-Holstein um 4.136 Fälle auf 33.826 Straftaten. Damit entfiel fast jede fünfte registrierte Straftat auf Delikte im öffentlichen Raum. Rückgänge gab es bei Raubüberfällen auf Straßen, bei gefährlicher Körperverletzung auf Straßen und Plätzen sowie bei zahlreichen Formen des Diebstahls. Besonders deutlich fiel das Minus beim Fahrraddiebstahl aus. Hier sank die Zahl um 1.674 Fälle auf 7.333. Auch der Diebstahl an und aus Kraftfahrzeugen ging spürbar zurück und lag noch bei 7.159 Fällen. Sachbeschädigungen an Autos nahmen ebenfalls deutlich ab. Das spricht dafür, dass sich die Lage im Alltag vieler Städte und Gemeinden in Schleswig-Holstein zumindest statistisch entspannt hat.

Die Eigentumskriminalität bildet weiterhin den größten Block innerhalb der Gesamtkriminalität. Insgesamt wurden 62.522 Diebstähle erfasst, fast 7.000 weniger als im Vorjahr. Wohnungseinbruchdiebstähle gingen erneut zurück und lagen bei 2.486 Fällen. Auch Ladendiebstahl, Taschendiebstahl und Diebstähle in Verbindung mit Fahrzeugen nahmen ab. Eine Ausnahme bildete allerdings der Diebstahl von Mopeds und Krafträdern, der leicht anstieg. Insgesamt zeigt sich aber, dass gerade bei den klassischen Eigentumsdelikten ein erheblicher Teil des landesweiten Rückgangs zustande kam.

Noch stärker fiel der Rückgang bei den Vermögens- und Fälschungsdelikten aus. Die Statistik weist hier 26.143 Fälle aus, nach fast 46.000 im Vorjahr. Hauptgrund dafür ist das bereits erwähnte große Betrugsverfahren des Jahres 2024. Gleichwohl lohnt auch der Blick auf die Einzelbereiche: Betrug insgesamt ging massiv zurück, doch bei bestimmten digitalen Delikten stiegen die Zahlen weiter. Computerbetrug nahm auf 3.717 Fälle zu, Cybercrime auf 4.183 Fälle. Besonders auffällig war der starke Anstieg bei bestimmten Formen des Warenkreditbetrugs. Auch Betrug im Internet blieb mit 7.890 Fällen auf hohem Niveau. Die Polizei warnt deshalb weiterhin ausdrücklich vor Online-Anlagebetrug, falschen Gewinnaussichten, Schockanrufen, Enkeltrick und falschen Polizeibeamten. Gerade diese Delikte tauchen in der Alltagserfahrung vieler Menschen in Schleswig-Holstein längst häufiger auf als klassische Straßenkriminalität.

Ebenfalls gesunken ist die Rauschgiftkriminalität. Sie ging um fast ein Drittel auf 5.069 Fälle zurück. Besonders stark war der Rückgang bei allgemeinen Verstößen nach dem Betäubungsmittelgesetz. Hintergrund dürfte auch die veränderte Rechtslage beim Umgang mit Cannabis sein, die sich unmittelbar in den Zahlen niederschlägt. Dagegen legten einzelne Delikte im Bereich Umwelt und Brandstiftung leicht zu oder blieben auf ähnlichem Niveau. Die Umweltkriminalität stieg auf 2.370 Fälle, darunter mehr Gewässerverunreinigungen und mehr Bodenverunreinigungen. Bei der vorsätzlichen Brandstiftung gab es hingegen einen leichten Rückgang auf 500 Fälle.

Regional zeigt die Statistik innerhalb Schleswig-Holsteins ein sehr unterschiedliches Bild. Die höchsten absoluten Fallzahlen wurden wie erwartet in den großen Städten registriert: Kiel lag mit 25.158 Straftaten vor Lübeck mit 19.871, Pinneberg mit 21.205 im Kreisgebiet und Segeberg mit 14.910. Bei der Häufigkeitszahl sticht vor allem Neumünster heraus. Dort kamen 11.905 Straftaten auf 100.000 Einwohner. Ebenfalls hohe Belastungswerte weisen Kiel mit 9.957, Flensburg mit 9.056 und Lübeck mit 9.162 auf. In Nordfriesland fiel die Kriminalität auf dem Papier besonders stark zurück. Dort sank die Zahl der registrierten Straftaten um 68 Prozent. Das hängt allerdings wesentlich mit dem Sondereffekt eines außergewöhnlichen Verfahrens aus dem Vorjahr zusammen und lässt sich deshalb nicht ohne weiteres als normale Entwicklung deuten.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Städten und Gemeinden ab 10.000 Einwohnern. Kiel, Lübeck, Flensburg und Neumünster bleiben die Kommunen mit den höchsten absoluten Fallzahlen. Bei der Häufigkeitszahl liegen daneben auch Orte wie Schleswig, Heide, Elmshorn, Sylt oder Harrislee hoch. In einigen Städten und Gemeinden stiegen die Fallzahlen trotz des landesweiten Rückgangs sogar leicht an, etwa in Reinbek, Kaltenkirchen, Schenefeld, Bad Segeberg oder Handewitt. Das zeigt, dass die insgesamt günstigere Entwicklung nicht überall im Land gleichermaßen ankommt.

Bei der Kinder- und Jugendkriminalität setzt sich der leichte Rückgang fort. 2025 wurden 9.038 Kinder und Jugendliche als Tatverdächtige registriert. Besonders hoch bleibt ihr Anteil allerdings bei jugendtypischen Delikten wie Mopeddiebstahl, Brandstiftung, Graffiti, Raub oder Ladendiebstahl. Das unterstreicht, dass Prävention, Schulsozialarbeit, Jugendhilfe und frühe Intervention in Schleswig-Holstein weiterhin eine zentrale Rolle spielen.

Unterm Strich zeigt die Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 für Schleswig-Holstein eine klare Entlastung bei der Gesamtkriminalität. Weniger Diebstähle, weniger Einbrüche, weniger Gewaltkriminalität und sinkende Zahlen bei Angriffen auf Polizisten und Rettungskräfte sprechen für eine insgesamt günstigere Entwicklung. Gleichzeitig bleibt das Bild widersprüchlich: Messerangriffe nehmen weiter zu, häusliche Gewalt steigt, digitale Betrugsformen breiten sich aus, und gerade in den Städten ist die Kriminalitätsbelastung weiterhin hoch. Für Schleswig-Holstein ist die Botschaft der Statistik deshalb doppelt: Die allgemeine Tendenz zeigt nach unten – Entwarnung aber gibt es nicht.