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THW verspannt beschädigtes Wohnhaus – Apenrader Straße wieder teilweise frei

 |  von Thomsen / Foerde.news

Bis tief in die Nacht war das THW vor Ort - Fotos: Thomsen

Flensburg – Nach dem Absturz großer Fassadenteile an einem Mehrfamilienhaus in der Apenrader Straße hat das Technische Hilfswerk das beschädigte Gebäude bis tief in die Nacht gesichert. Spezialkräfte verspannten das Haus von der Vorder- bis zur Rückseite und überwachten mögliche Bewegungen der Fassade mit Lasertechnik. Der THW-Einsatz dauerte bis etwa 4 Uhr am Mittwochmorgen. Elf Bewohner des betroffenen Hauses verbrachten die Nacht in Notunterkünften der Stadt. Die zunächst voll gesperrte Apenrader Straße ist inzwischen wieder halbseitig befahrbar.

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Am Dienstagnachmittag, 29. September, hatten sich mehrere Meter große Teile des Gesimses von dem Mehrfamilienhaus gelöst. Die Bauteile stürzten auf den Gehweg und trafen dort einen geparkten Ford Focus Kombi, der schwer beschädigt wurde.

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Das Auto war dort nur kurzfristig abgestellt worden, um Sperrholz in das Fahrzeug zu laden. Die dabei anwesenden Personen hatten Glück: Als sich die Fassadenteile lösten, befand sich niemand im Fahrzeug. Auch Personen außerhalb des Wagens wurden nicht von den herabstürzenden Bauteilen getroffen.

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„Personenschäden sind glücklicherweise nicht zu vermelden“, sagte André Beyer, A-Dienst der Berufsfeuerwehr Flensburg. Weder im Außenbereich noch innerhalb des Gebäudes seien Menschen verletzt worden.

Feuerwehr räumt Vorder- und Hinterhaus

Zum Zeitpunkt des Vorfalls hielten sich Menschen in mehreren Wohnungen auf. Sie blieben unverletzt. Die Feuerwehr räumte anschließend sowohl das Vorderhaus als auch das dazugehörige Hintergebäude.

„Das Gebäude wurde natürlich umgehend geräumt durch die Kollegen“, erklärte Beyer.

Eine genaue Zahl der betroffenen Bewohner konnte die Feuerwehr zunächst nicht nennen. Nach Angaben Beyers sind rund 14 Wohneinheiten betroffen. Nicht alle davon sind bewohnt.

Elf Bewohner verbringen Nacht in Notunterkünften

Nach Angaben des Pressesprechers Clemens Teschendorf der Stadt Flensburg mussten elf Personen aus dem besonders betroffenen Gebäude mit der Hausnummer 34 die Nacht in Notunterkünften der Stadt verbringen. Dort können sie vorerst weiterhin bleiben, solange noch nicht geklärt ist, wann eine Rückkehr in die Wohnungen möglich ist.

Anders war die Situation für die Bewohner des benachbarten Hauses mit der Hausnummer 32. Sie mussten nicht durch die Stadt untergebracht werden und konnten sich selbst Schlafmöglichkeiten organisieren.

Für dieses Gebäude gibt es inzwischen zudem eine erste Entwarnung: Die Hinterhäuser der Hausnummer 32 konnten bereits wieder freigegeben werden. Auch das Vorderhaus soll nach Angaben der Stadt im Laufe des Mittwochs wieder freigegeben werden.

Schäden auch am Nachbarhaus entdeckt

Während sich die Einsatzmaßnahmen zunächst auf das unmittelbar betroffene Vorder- und Hinterhaus konzentrierten, hatte ein Statiker im weiteren Verlauf auch Schäden am benachbarten Gebäude festgestellt.

„Jetzt hat der Statiker aber gerade eben im Nachbarhaus auch von außen Beschädigungen feststellen können“, sagte Beyer am Dienstagnachmittag.

Dort waren unter anderem deutliche Risse festgestellt worden. Nach weiteren Untersuchungen konnte zumindest für Teile des Nachbargebäudes inzwischen wieder eine Freigabe erfolgen.

THW vermutet Problem im Bereich des Baugrunds

Zur Unterstützung wurde das Technische Hilfswerk hinzugezogen. Nach Angaben von THW-Baufachberater Andreas Dördelmann gehen die Einsatzkräfte zunächst davon aus, dass die Schäden mit dem Baugrund beziehungsweise dem Fundament zusammenhängen könnten.

Es gebe Hinweise darauf, dass es in dem Bereich Wasserarbeiten gegeben habe. Ob tatsächlich Wasser unter dem Fundament beziehungsweise eine Unterspülung die Ursache für die Schäden ist, steht allerdings noch nicht fest.

Nach Einschätzung Dördelmanns könnten Fundamente unterspült worden sein und sich das Gebäude dadurch gesetzt haben. Hinweise darauf seien unter anderem Risse im Mauerwerk und Wände, die sich sichtbar geneigt hätten.

Eine abschließende Ursachenklärung steht weiterhin aus.

Laserscanner überwacht jede Bewegung

Während der Sicherungsarbeiten überwachte das THW das Gebäude fortlaufend mit einem Einsatzstellen-Sicherungssystem. Spezialkräfte aus Niebüll kontrollierten dabei mit einem Laserscanner mögliche Bewegungen der Fassade.

Nach Angaben Dördelmanns können damit selbst Veränderungen im Millimeterbereich festgestellt werden. So sollen Einsatzkräfte frühzeitig gewarnt werden, falls sich Teile des Gebäudes während der Arbeiten weiter bewegen.

Die Überwachung lief auch während der nächtlichen Sicherungsmaßnahmen weiter.

THW spannt Gebäude wie ein „Korsett“ zusammen

Am späten Dienstagabend begann das THW mit umfangreichen Sicherungsarbeiten im Gebäude. Dabei wurde das obere Geschoss von der Vorder- bis zur Rückseite des Hauses verspannt.

Dafür wurden Spannstäbe eingesetzt, die von der Straßenfassade bis zur rückwärtigen Fassade reichen. Dördelmann verglich die Konstruktion mit einem Korsett: Das Gebäude werde dadurch zusammengehalten und weitere Bewegungen sollten möglichst verhindert werden.

Wo Türen vorhanden waren, konnten die Spannstäbe durch vorhandene Öffnungen geführt werden. An anderen Stellen mussten entsprechende Durchführungen geschaffen werden. Nach Angaben des THW sollte dabei möglichst schonend und mit möglichst geringen Eingriffen in die Bausubstanz gearbeitet werden.

Parallel dazu wurden lose Teile des Gesimses entfernt. Damit sollte verhindert werden, dass weitere Steine oder Bauteile auf den Gehweg oder die Straße stürzen.

Die Arbeiten zogen sich bis tief in die Nacht. Das THW war bis etwa 4 Uhr am Mittwochmorgen an der Einsatzstelle.

Kräfte aus mehreren Ortsverbänden im Einsatz

An dem Einsatz waren Kräfte mehrerer THW-Ortsverbände beteiligt. Nach Angaben Dördelmanns kamen unter anderem Helfer aus Flensburg, Niebüll, Schleswig und Rendsburg zum Einsatz.

Dördelmann selbst ist Baufachberater und Architekt. Seine Aufgabe innerhalb der Einsatzleitung besteht darin, die bauliche Situation einzuschätzen und gemeinsam mit den Einsatzkräften geeignete Sicherungsmaßnahmen festzulegen.

Für ihn persönlich sei ein Fassadenabsturz dieser Größenordnung trotz seiner langen THW-Erfahrung ungewöhnlich. Dördelmann ist nach eigenen Angaben seit 35 Jahren beim Technischen Hilfswerk und seit rund 15 Jahren als Baufachberater tätig.

Apenrader Straße wieder halbseitig frei

Unmittelbar nach dem Fassadenabsturz war die Apenrader Straße vollständig gesperrt worden. Das sorgte insbesondere im Busverkehr für erhebliche Probleme. Erschwerend kam hinzu, dass mit der Batteriechaussee und der Harrisleer Straße wichtige Ausweichstrecken ebenfalls gesperrt waren.

Für die Busse bestand dadurch zeitweise kaum eine Möglichkeit, den gesperrten Abschnitt zu umfahren. Entsprechend konnten mehrere Linien den Bereich nicht wie gewohnt bedienen.

Am Mittwochmorgen hat sich die Verkehrssituation etwas entspannt. Die Apenrader Straße ist inzwischen wieder halbseitig befahrbar.

Sowohl Autofahrer als auch Busse können die Einsatzstelle derzeit wieder passieren. Wegen der weiterhin bestehenden Absperrungen und der Arbeiten an den Gebäuden muss jedoch mit Einschränkungen gerechnet werden.

Bewohner sollen wichtige persönliche Dinge aus Wohnungen holen können

Für die Bewohner des besonders betroffenen Hauses mit der Hausnummer 34 bleibt weiterhin offen, wann sie regulär in ihre Wohnungen zurückkehren können.

Im Laufe des Mittwochs soll nach Angaben der Stadt geprüft und organisiert werden, wann Bewohner noch einmal begleitet in das Gebäude gelangen können. Das betrifft auch Bewohner des Hinterhauses.

Unter Begleitung von Feuerwehr beziehungsweise anderen Einsatzkräften sollen sie nach Möglichkeit die wichtigsten persönlichen Gegenstände aus ihren Wohnungen holen können. Dazu zählen insbesondere Medikamente, wichtige Dokumente und andere dringend benötigte Dinge. Auch persönliche Erinnerungsstücke wie Fotos sollen, soweit es die Sicherheitslage zulässt, mitgenommen werden können.

Wann genau dieser begleitete Zugang möglich sein wird, soll im Laufe des Tages entschieden werden. Voraussetzung ist, dass die Einsatzkräfte einen sicheren Zugang gewährleisten können.

Wie es mit Hausnummer 34 weitergeht, bleibt offen

Während sich die Lage am Nachbargebäude mit der Hausnummer 32 zunehmend entspannt, ist die weitere Zukunft der Hausnummer 34 noch nicht geklärt.

Nach der nächtlichen Sicherung müssen die Schäden weiter untersucht und bewertet werden. Insbesondere ist zu klären, wodurch sich das Gebäude bewegt hat und wie stark Fundamente und tragende Bauteile tatsächlich beschädigt sind.

Erst danach kann entschieden werden, ob und unter welchen Voraussetzungen Bewohner wieder dauerhaft in ihre Wohnungen zurückkehren können. Auch die Frage, ob das Gebäude saniert werden kann oder weitergehende Maßnahmen erforderlich sind, ist noch offen.

Weitere Entscheidungen zur Zukunft des Gebäudes und zum Zugang für die Bewohner sollen im Laufe des Mittwochs getroffen werden.