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Flensburg spendet Müllfahrzeug für ukrainische Stadt Boryspil

 |  von Thomsen / Foerde.news

Ein Müllfahrzeug und reichlich Spenden werden in die Ukraine gebracht - Fotos: Thomsen

Flensburg / Ukraine – TBZ-Fahrzeug soll künftig in Boryspil eingesetzt werden – Konvoi startet am 11. Juli

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Mit einem ausgemusterten Abfallsammelfahrzeug und zahlreichen Hilfsgütern setzt Flensburg seine Unterstützung für die ukrainische Stadt Boryspil fort. Das Technische Betriebszentrum (TBZ) stellt den Wagen zur Verfügung, der gemeinsam mit Medizinischen Hilfsmitteln, Decken und weiteren Spenden in die Ukraine gebracht werden soll. Organisiert wird der Transport mit dem Verein „Freunde helfen! Konvoi“.

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TBZ-Geschäftsführer Heiko Ewen sagte, bei dem Fahrzeug handele es sich um „einen der älteren Wagen“, die nach zehn bis zwölf Jahren aus dem regulären Betrieb genommen würden. Im Stadtverkehr seien weniger die Kilometer entscheidend als die ständige Belastung durch Stop-and-go, Beladung und die Technik am Heck. „Das ist bei uns eher die Start-Stopp-Bewegung permanent und der Beladevorgang“, erklärte Ewen. Gerade die Schüttung und die vielen Bewegungen machten die Fahrzeuge mit den Jahren reparaturanfälliger.

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Geschäftsführer des TBZ Heiko Ewen und Oberbürgermeister Dr. Fabian Geyer sind froh einfach und umkompliziert helfen zu können

Der jetzt ausgewählte Wagen sei jedoch noch in einem vergleichsweise guten Zustand. „Wir haben diesen Wagen ausgesucht, weil der noch relativ in gutem Zustand ist und zuverlässig in der Ukraine auch noch fahren wird“, sagte Ewen. Würde das Fahrzeug regulär versteigert, läge sein Wert nach seinen Angaben bei „ungefähr 15.000 Euro“. Stattdessen habe der Verwaltungsrat entschieden, den Wagen für die Unterstützung Boryspils zur Verfügung zu stellen.

Vor der Übergabe wurde das Fahrzeug noch einmal umfassend überprüft. „Unsere Werkstatt hat komplett durchgecheckt, ob technisch alles in Ordnung ist“, sagte Ewen. Zudem sei das Fahrzeug noch einmal vom TÜV abgenommen worden. „Sodass wir auch guten Gewissens den abgeben können und wissen, der wird auch noch funktionieren, auch noch ein paar Jahre dort funktionieren, wo er benötigt wird.“

Auch zur künftigen Nutzung in der Ukraine äußerte sich der TBZ-Chef eindeutig. „Das ist ein Spezialfahrzeug, was man auch nur als Abfallsammelfahrzeug nutzen kann“, sagte Ewen. Eine andere Verwendung könne er sich für den Wagen kaum vorstellen. Weitere Fahrzeugspenden schloss er nicht grundsätzlich aus, machte aber deutlich, dass dies immer einzeln geprüft werden müsse. „Das ist eine Einzelfallbetrachtung“, sagte Ewen. Viele Fahrzeuge seien am Ende ihrer Einsatzzeit bereits so stark beansprucht, „dass man das auch nicht zumuten will, ihn dann auch da in die Ukraine zu bringen“.

Neben dem Fahrzeug werden auch Hilfsgüter mit auf die Reise genommen. Gesucht worden seien „vor allen Dingen Medikamente und Decken“, sagte Ewen. Nach einem zunächst eher schleppenden Beginn sei am Ende doch noch einiges zusammengekommen. „Das freut uns sehr, dass nach schleppendem Beginn auch noch diese Mengen zusammengekommen sind.“

Oberbürgermeister Dr. Fabian Geyer sprach bei der Übergabe von einem wichtigen Signal der Solidarität. „Es ist sehr wichtig, auch hier ein Signal zu senden mit wirklich handfester Hilfe“, sagte er. Der Krieg dauere an, die Menschen litten weiter jeden Tag, und in vielen Gebieten fehle es an elementaren Dingen. „Es ist großartig, aber es ist ein trauriger Anlass“, sagte Geyer. „Der Krieg besteht immer noch und deswegen ist es natürlich nach wie vor wichtig, Hilfe zu leisten.“

Dass gebrauchte Fahrzeuge nicht verkauft, sondern gespendet werden, hat für den Oberbürgermeister eine besondere Bedeutung. „Jetzt werden sie halt tatsächlich hier gespendet für die wichtigsten Aufgaben dort“, sagte Geyer. Solche Fahrzeuge würden in den betroffenen Regionen direkt gebraucht – für die Müllentsorgung, für Krankentransporte und für die Versorgung der Bevölkerung. „Die brauchen das Allernötigste und da helfen diese Fahrzeuge direkt.“

Auch die gesammelten Spenden hob Geyer hervor. Vor allem Medizinische Hilfsmittel seien von großer Bedeutung. „Der Beschuss von Krankenhäusern und Logistik hat dazu geführt, dass die Menschen wieder das Nötigste nicht mehr haben“, sagte er. Das Spendenaufkommen sei deshalb „absolut richtig“, verbunden mit der Hoffnung, dass die Hilfsbereitschaft nicht nachlasse.

Wie die Unterstützung für Boryspil politisch auf den Weg gebracht wurde, schilderte Karsten Sörensen von der CDU-Ratsfraktion. Die Solidaritätspartnerschaft mit der ukrainischen Stadt sei nach dem russischen Angriffskrieg entstanden. Zunächst sei seitens der Stadt „nicht allzu viel passiert“, weil die Anforderungen aus Boryspil teilweise sehr groß gewesen seien. Medizinische Großgeräte hätten nicht beschafft werden können. Es habe aber auch kleinere und konkrete Bedarfe gegeben, etwa Unterstützung für ein Waisenhaus, Feuerwehrfahrzeuge oder eben ein Müllfahrzeug.

Als die Partnerschaft später auslief, sei aus Sicht der Politik klar gewesen, dass die Hilfe trotzdem fortgesetzt werden müsse. „Das kann nicht angehen, dass wir so ein Projekt initiieren und dabei nichts rumkommt“, sagte Sörensen. Zugleich verwies er darauf, dass in Flensburg damals mehr als 1400 Geflüchtete aus der Ukraine betreut worden seien. Deshalb habe sich die Politik stark dafür eingesetzt, dass das Fahrzeug als Spende zur Verfügung gestellt werde.

Sörensen machte deutlich, wie aufwendig die Organisation eines solchen Transports ist. „Das sind ja doch zwischen zweieinhalb und dreitausend Kilometer zu fahren“, sagte er. Dafür müssten Fahrer organisiert, Versicherungen geklärt, Diesel, Übernachtungen und Begleitfahrzeuge eingeplant werden. Umso wichtiger sei die Zusammenarbeit mit dem Hilfsverein gewesen. „Es war für uns hilfreich, dass der Verein ,Freunde helfen! Konvoi‘ die Unterstützung zugesagt hat“, sagte Sörensen. So habe man das gemeinsam mit Stadt und Politik schließlich umsetzen können.

Vanessa Holdysz vom Verein „Freunde helfen! Konvoi“ bestätigte den hohen Aufwand. „Wir müssen Wochen im Voraus mit der Planung beginnen“, sagte sie. Fahrzeuge müssten angemeldet, Prüfungen organisiert und Ansprechpartner in den Zielgemeinden gefunden werden. Zudem stelle sich immer die Frage, „wer überhaupt bereit ist, in ein Kriegsland zu fahren“. Hinzu komme, dass für große Fahrzeuge Fahrer mit den entsprechenden Führerscheinen benötigt würden. „Also es ist schon ziemlich viel Aufwand, der stattfindet, aber es ist es in jedem Fall wert.“

Nach Angaben von Holdysz wird das Flensburger Fahrzeug in der Ukraine wie vorgesehen weitergenutzt. „Das wird drüben weiterhin als Einsatzfahrzeug genutzt, so wie es auch vorgesehen ist“, sagte sie. Die Menschen vor Ort erwarteten das Fahrzeug bereits „sehnlichst“ und seien „sehr dankbar“ für dieses Zeichen der Solidarität.


Vollgepackt an Spenden geht es in die Ukraine

Zum Konvoi gehören neben dem Flensburger Müllfahrzeug auch zwei Löschfahrzeuge aus Schleswig-Holstein sowie ein Krankenwagen. „Wir überführen alles dorthin, wo es wirklich benötigt wird, wo es im wahrsten Sinne des Wortes brennt“, sagte Holdysz. Jedes einzelne Fahrzeug helfe dabei, die Versorgung vor Ort zu sichern und im Ernstfall sogar Menschenleben zu retten.

Der Hilfskonvoi soll am Samstag, 11. Juli, starten. Wenn alles planmäßig verläuft, ist die Rückkehr für die Nacht vom 15. auf den 16. Juli vorgesehen. Für Flensburg ist die Aktion mehr als eine symbolische Geste: Sie ist ein konkreter Beitrag für eine Stadt, die weiterhin unter den Folgen des Krieges leidet.