Protesttag in Flensburg: Stadtspaziergang macht Hindernisse sichtbar

 |  von Thomsen / Foerde.news

Blinde, Rollstuhlfahrer und Teilnehmer mit Simulationsbrillen erkundeten gemeinsam die Stadt. - Fotos: Thomsen

Flensburg – Beim Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung ist in Flensburg auf Barrieren im Alltag aufmerksam gemacht worden. Auf einem gemeinsamen Weg vom Rathaus bis zum ZOB erlebten Teilnehmer aus Politik und Verbänden, wo Menschen mit Behinderung im öffentlichen Raum auf Schwierigkeiten stoßen.

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Unter dem bundesweiten Motto „Menschenrechte sind nicht verhandelbar“ ist am 5. Mai auch in Flensburg ein Zeichen für mehr Teilhabe gesetzt worden. Ein Stadtspaziergang vom Rathaus bis zum Zentralen Omnibusbahnhof machte dabei deutlich, mit welchen Hindernissen Menschen mit Behinderung im Alltag konfrontiert sind.

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Die Strecke führte durch zentrale Bereiche der Innenstadt. Sichtbar wurden dabei unter anderem unzureichend gesicherte Querungen, schwer auffindbare Bushaltestellen, fehlende taktile Leitsysteme sowie Barrieren auf Gehwegen. Was für viele Menschen kaum auffällt, kann für andere den Alltag erheblich erschweren oder sogar dazu führen, dass Wege gar nicht erst angetreten werden.  So wurden auch im letzten Winter die taktile Linien nicht vom Schnee geräumt.

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Steffi von den Grünen hatte eine Simulationsbrille auf und erkundete blind die Stadt - Foto: Thomsen
An dem Spaziergang nahmen auch Kommunalpolitiker aus Flensburg teil, darunter Vertreter von SSW, Grünen, SPD und dem Linksbündnis. Ziel war es, Barrieren nicht nur zu benennen, sondern sie gemeinsam zu erleben und über konkrete Verbesserungen zu sprechen.

„Barrierefreiheit entscheidet darüber, ob Menschen ihre demokratischen Rechte im Alltag tatsächlich wahrnehmen können“, sagte Jordan Smith, der die Arbeit des Vereins in Flensburg koordiniert. „Wenn öffentliche Orte nicht selbstständig erreichbar sind, wird Teilhabe eingeschränkt – auch die Möglichkeit, sich politisch, sozial und kulturell einzubringen.“


Der blinde Organisator Jordan Smith erklärte die Probleme die ihm im Weg stehen, wie hier die provesorische Bushaltestelle
Unterstützt von Rehabilitationslehrern konnten sehende Teilnehmer mit Simulationsbrillen nachempfinden, welchen Herausforderungen blinde und sehbehinderte Menschen begegnen. Auch die Perspektive von Menschen mit eingeschränkter Mobilität wurde durch den Einsatz von Rollstühlen erfahrbar gemacht.


Auch für Soraja wurde es brenzlich - Foto: Thomsen
Wie sich Barrieren konkret auswirken, schilderte Johannes Müller, der seit seinem 13. Lebensjahr im Rollstuhl sitzt. Der 28-jährige Stadtplaner machte beim Rundgang vor allem auf die Situation rund um den ZOB aufmerksam. Hohe Bordsteine, unebene Pflasterflächen und fehlende direkte Übergänge erschwerten dort die Fortbewegung erheblich. Häufig seien längere Umwege nötig, um bestimmte Bereiche überhaupt erreichen zu können. Besonders alte Pflastersteine und holprige Oberflächen machten das Vorankommen zusätzlich beschwerlich.


Mit dem Rollstuhl Treppen runter kommen ist auch mit Hilfe nicht ganz einfach - Foto: Thomsen
Auch für die Kommunalpolitik brachte der Spaziergang neue Eindrücke. Steffi von den Grünen absolvierte die Strecke mit einer Simulationsbrille und sprach anschließend von einer großen Herausforderung. Schon Treppen und wechselnde Untergründe seien schwer zu bewältigen gewesen. Besonders deutlich sei geworden, wie stark der öffentliche Raum auf visuelle Informationen ausgerichtet sei. Viele Hinweise und Informationen, die im Alltag gebraucht würden, seien fast ausschließlich über das Sehen zugänglich. Gerade an Bushaltestellen brauche es deshalb Lösungen, mit denen Fahrgastinformationen nicht nur lesbar, sondern auch hörbar verfügbar seien.

Blinde, Rollstuhlfahrer sowie andere Personen mit Handicap und Politiker erkundeten die Stadt nach Hindernissen - Foto: Thomsen

Zugleich habe der Rundgang das Bewusstsein dafür geschärft, welche Bedeutung taktile Leitsysteme für blinde Menschen haben. Dieses Thema müsse bei künftigen Planungen stärker berücksichtigt werden, sagte die Politikerin. Die gewonnenen Eindrücke wolle sie auch in die weitere Arbeit im Sozial- und Gesundheitsausschuss einbringen.

Organisiert wurde die Veranstaltung vom Blinden- und Sehbehindertenverein Schleswig-Holstein mit Unterstützung des Behindertenbeauftragten der Stadt Flensburg, Christian Eckert, sowie dessen beratendem Arbeitskreis. Der Spaziergang machte deutlich, dass Barrierefreiheit keine Nebensache ist, sondern eine grundlegende Voraussetzung für gleichberechtigte Teilhabe am öffentlichen Leben.