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Tatverdächtiger im Fall der Parteibüros stellte AfD-Antrag schon im April
| von Thomsen / Foerde.news
Flensburg – Im Fall der Ermittlungen zu Sachbeschädigungen und versuchten Brandstiftungen an Parteibüros in Flensburg rückt auch die politische Vorgeschichte des Beschuldigten in den Blick. Nach Recherchen hatte der 40-Jährige nicht nur bereits im April einen AfD-Mitgliedsantrag ausgefüllt, sondern war in Flensburg zuvor auch für die Partei dieBasis aktiv.
Hinweise aus der Bevölkerung nach Veröffentlichung der Überwachungsbilder führten zur Festnahme des Beschuldigten. Foto: Polizeidirektion Flensburg
Nach den Angriffen auf mehrere Parteibüros in der Flensburger Innenstadt über das Osterwochenende vom 5. bis 7. April 2026 haben die Ermittlungsbehörden einen 40-jährigen Mann aus Flensburg als Tatverdächtigen identifiziert. Hinweise aus der Bevölkerung nach einer Öffentlichkeitsfahndung führten die Ermittler zu dem Beschuldigten. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung am 30. Mai wurden Beweismittel sichergestellt. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Flensburg erließ das Amtsgericht Flensburg am 31. Mai Haftbefehl wegen Wiederholungsgefahr. Der Mann sitzt inzwischen in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen des Staatsschutzes dauern an.
Der Tatverdächtige attackierte die Parteibüros von SPD, Grünen, Linken und SSW mit Molotowcocktails. Archivfoto: Thomsen
Brisant ist dabei auch der politische Hintergrund des Beschuldigten. Nach Angaben aus dem Umfeld der AfD soll der 40-Jährige erst wenige Tage vor Bekanntwerden des Falls Mitglied der Partei geworden sein. Diese Darstellung greift jedoch zu kurz. Denn bereits am 11. April 2026 trat D.L. an einem AfD-Infostand auf dem Nordermarkt öffentlich in Erscheinung und füllte dort nach eigenen Angaben einen Mitgliedsantrag aus. In einem Interview, mit Förde.news, begründete er diesen Schritt mit seinem Wunsch nach mehr direkter Demokratie und mehr Volksabstimmungen auf kommunaler, Landes- und Bundesebene. Zugleich äußerte er Frust über andere Parteien und schilderte persönliche Enttäuschung über aus seiner Sicht ausbleibende politische Lösungen, etwa bei der Wohnungssuche.
L. sagte damals, er suche bewusst den Kontakt zur AfD, weil er sich dort eher Gehör für seine politischen Vorstellungen verspreche. Er sprach davon, Reformideen einbringen zu wollen und hoffte nach eigenen Worten, als Neumitglied leichter Zugang zu Gesprächen und Parteistrukturen zu erhalten. Seine Aussagen vermittelten den Eindruck, dass es sich nicht um einen spontanen Schritt handelte, sondern um einen gezielten Versuch, politisch Fuß zu fassen.

Bereits im April füllte der Tatverdächtige einen Mitgliedsantrag bei der AfD aus. Archivfoto: Thomsen
Hinzu kommt: D. L. war in Flensburg bereits zuvor politisch aktiv. Auf der Team-Seite von dieBasis Flensburg wurde er namentlich vorgestellt. Zudem wurde er im Vorfeld der Kommunalwahl 2023 als einer der Kandidaten der Partei genannt; in einem Bericht wurde er sogar auf Listenplatz 2 geführt. Damit war L. in der lokalen Politik kein Unbekannter, sondern trat schon vor seinem Auftritt am AfD-Stand öffentlich im Umfeld einer anderen Partei in Erscheinung.
Vor diesem Hintergrund wirkt der spätere Auftritt am AfD-Stand weniger wie eine erstmalige politische Orientierung, sondern eher wie ein weiterer Wechsel innerhalb des politischen Spektrums. Ob und seit wann es konkrete Kontakte zur AfD gab, ist bislang ebenso unklar wie die Frage, wann über seinen Mitgliedsantrag intern entschieden wurde. Fest steht jedoch, dass sein Antrag nicht erst wenige Tage vor seiner Festnahme gestellt wurde, sondern bereits Mitte April öffentlich dokumentiert war.
Für die Ermittlungen ist diese politische Biografie zwar nicht automatisch strafrechtlich relevant. Für die öffentliche Einordnung des Falls ist sie jedoch bedeutsam, weil sie zeigt, dass der Beschuldigte schon länger politisch aktiv war und offenbar wiederholt Anschluss an Parteistrukturen suchte. Unabhängig davon gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.